Samstag, 26. Oktober 2013

Teil 4: Norte Grande | Altiplano andino (Bolivia)

So nun hab ich wieder mal ne ruhige Minute. Letzten Freitag hab ich Santiago hinter mir gelassen um mir den Norden anzusehen. Da gerade die kleine Schwester von Saddi in Peru ist, hatten wir beschlossen uns dort in der Atacamawüste zu treffen. Von ihr aus 2 Tage im Bus, von mir aus 2 Stunden im Flieger, genau in der Mitte also :-).


Anreise war dank Flugzeug auch denkbar entspannt, man muss nur den Weg zum Flughafen finden in Santiago. Aber nach einigen Schweißperlen und häufigem nachfragen bin ich dann irgendwie im richtigen Bus gelandet :-).


Calama, mein Zielflughafen, war aus der Luft schon leicht zu erkennen anhand der riesigen Löcher, die die Kupferminen dort in den Boden gerissen haben. Aber dazu mehr im nächsten Eintrag! Erwähnenswert der Landeanflug, die thermischen Winde in der Wüste erzeugten nämlich so ein bisschen RodeoStimmung im Flugzeug. Ich landete dort also hellwach und sprang direkt ins nächste GruppenTaxi nach San Pedro de Atacama. Hab die Fahrt dann direkt genutzt um an meinen Mitfahrer mein gebrochenes Spanisch aufzubessern, konnten ja nicht weglaufen :-).




Mein Hostal in San Pedro schien von außen eher... Unauffällig. Manch einer würde sagen schäbig aber von innen war es absolut top :-). Hängematten, Schöner Innenhof und sehr interessante Gäste. Einer davon ein seeeehr spirituell angehauchter Künstler der mir eine Stunde lang seine Form von "Alles gehört zusammen" Weltanschauung erklärte und warum alle Europäer vom Teufel besessen seien. Minimal wahnhaft aber sehr motiviert mich davon zu überzeugen.


Da ich mir für Samstag 2 Touren gebucht hatte um die Atacamawüste kennenzulernen beschloss ich früh schlafen zu gehen. Die Leute in meinem Hostal beschlossen jedoch n Barbecue zu machen, aber so für 4 Stunden Schlaf hats dann doch noch gereicht. Bzw eigentlich hätte ich auch ne Stunde länger schlafen können, meine Abholung war nämlich n "bisschen" spät dran, hatte schon überlegt was ich um 5 Uhr morgens denn sonst machen könnte. Lustigerweise kamen als ich da wartete auf einmal 2 Österreicherinnen aus dem Hostal die ich schon in Santiago vor 2 Wochen kennengelernt hatte, kleine Welt.


Meine erste Tour hat mich dann zu den El Tatio Geysiren geführt, einem der größten Geysirfelder der Welt auf über 4000m. Vor Sonnenaufgang hatten wir zwar angenehme - 10°C aber das war es wert. Seht selbst.




Zum Mittagessen waren ich dann wieder in San Pedro und mit den Österreichern was essen bevor ich zu meinen zweiten Tour startete.


Sandboarding im Valle del muerte und danach den Sonnenuntergang im Valle de la luna anschauen. Sandboarding ist übrigens wie Snowboard nur vieel einfacher. Der einzige Haken an der Sache war, dass man die verflixte Düne jedesmal hochlaufen musste. 1 Schritt vor, 2 Schritte zurück. 20 Minuten fluchen für eine Minute Spaß. Aber von oben ein unglaublicher Ausblick über die Wüste und die Oase von San Pedro. Danach im Valle de la luna durch Salzhöhlen gekrochen und unter heftigem Gegenwind die Berge ergestiegen um den Sonnenuntergang zu bewundern.




Abends wollte ich eigentlich nur n bisschen entspannen aber irgendwie bin ich dann an n paar aus meinem Zimmer geraten die einen kannten der einen kannte der von ner Feier gehört hatte. Man darf hier übrigens nicht in der Öffentlichkeit trinken, eine der Erkenntnisse dieses Abends. Und Feiern in Chile starten spät.... Sehr spät!


Aber nach langen 3 Stunden Schlaf bin ich dann aus dem Bett gesprungen und zum Busbahnhof gespurtet zum Lara abzuholen... die war aber nicht da. Nach mehreren Stunden des Umherirrens, ich hatte es schon fast aufgegeben, bin ich Lara und Nora dann irgendwo auf der Straße über n Weg gelaufen. Ihr Bus hatte 2h Verspätung, hätte ich mir eigentlich denken können.


Eigentlich wollten wir dann nur schnell die Tour in die Salzwüste organisieren, hatte dann aber doch den ganzen Tag gedauert. Mit allen Schikanen, erst Zusagen, dann Absagen durch irgendwelche Leute die uns mit dem Fahrrad in der Stadt suchten, falsche Wechselgelder usw usw.


Zur Beruhigung gingen wir dann kurz mit n paar vom Hostal Mittagessen, und danach ging's grad so weiter mit gierigen Wechselstubenbesitzern un andererlei Gestalten. Aber im Endeffekt haben wirs hinbekommen :-).


Von unserem Hostal aus gingen wir dann abends noch was trinken und zu nem Konzert mit den Österreicherinnen, noch nem Österreicher und nem Spanier.


Und am nächsten Tag starteten wir nach Bolivien, in die Salar de Uyuni um genau zu sein. Und der Bus war pünktlich! Wahnsinn!


Unsere Gruppe war ne bunte Mischung aus Chilenen, Deutschen, Engländern und einem Ami. Ab der Grenze haben wir uns dann in 2 Autos aufgeteilt, ist nämlich Gesetz mit nem bolivianischen Fahrer im Park unterwegs zu sein, um genau zu sein mit nem "schüchternen" Fahrer der kein Englisch kann, gutes Gesetz! ;-) Aber der Mauricio war schon n netter, zumindest soweit man ihm das entlocken konnte ;-).


Aber zu den meisten Sachen musste er auch garnichts Sagen, die waren einfach so atemberaubend. Die Lagunen mit ihrer Vielfalt an Farben, manchmal durch einfaches Salz oder Schwefelvarianten, manchmal durch ne anheimelnde Kombination von Kupfer und Arsen, eher tot also. Aber ein schickes Grün. Eine Lagune war auch strahlend rot durch die Unmengen an Algen die dort leben und von Flamingos verspeist wegen. Flamingos übrigens auf 4000m? Hatte auch keine Ahnung was die hier treiben aber die mögens hier.




Danach ging es ab zu den Geysiren, ähnlich den chilenischen nur etwas weniger anmutig und mehr nach Tor zur Hölle aussehend und riechend. Vielleicht lag die etwas verzerrte Wahrnehmung auch an den 5000m auf denen die Geysire lagen.




Dann ging es weiter in die Desierto de Dali, in der für Mauricio sehr eigenen Art einer unvorhersehbaren Wahl der Geschwindigkeit und Fahrspur. Wir hätten schon fast ein kleines Wettbüro aufgemacht. Aber wir waren völlig im Bann der "lieblichen" Musik aus Mauricios CD Spieler, erbarmungslos hieb der mit ca. 3 verschiedenen Lieder von leidend quiekenden Männern 6h am Tag auf uns ein. Man konnte irgendwann garnicht anderst, man musste einfach mitsingen.




Der Name der Wüste übrigens auf Grund der abstrakten Felsen und der schrägem Farben der Berge durch die Eisen, Kupfer, Schwefel und sonstigen Vorkommen.


Nachts hatten wir dann auch den klarsten Sternhimmel den ich jemals gesehen habe, durch die Lage dort war nämlich der Mond nicht sichtbar und es war einfach nur schwarz und dazwischen nichmal nur Sterne sondern regelrechte Bänder aus Licht.


Der nächste Tag begann weniger spektakulär mit Kopfschmerzen und unseren "herrlichen" Musik. Dafür konnten wir bei unserem ersten Stopp einen erodierten Vulkan besichtigen.


Auch gab s wieder verschiedene Lagunen zu sehen und und wir haben uns den einzigen aktiven Vulkan der Gegend angesehen.


Nach einem kurzen Zwischenstop im teuersten Laden des gefühlt hässlichsten Dorfes der südlichen Hemisphäre sind wir dann zu unserem letzten Hotel gedüst, komplett aus Sand gebaut mit Blick auf die Salzwüste, bis zum Horizont nur weiß und flach. Hatten echt n lustigen Abend mit der ganzen Truppe dort, vor allem das deutsche Ehepaar hat die Runde mit vielen Anekdoten von ihrer Weltreise köstlich unterhalten.


Und am Morgen in die Wüste gefahren, solang bis zu allen Seiten nurnoch weiß zu sehen war. Gott war das heiß da. Uns ist die Hitze womöglich zu Kopf gestiegen dort...




Achja und dann waren wir noch auf der Isla Incahuasi, der Fischerinsel, keine Ahnung wo die da fischen wollen aber schöner Flecken. 50km in alle Richtungen nur Salz.


Nach der Wüste kam Uyuni, das hart am wetteifern mit dem anderen Dorf ist wer hässlicher ist aber immerhin haben die da einen Friedhof für Züge, Sieg nach Punkten also.




Nachdem wir bei einem Kaffee Michael Jackson gelauscht hatten und uns in der Wechselstube über die Kurse aufgeregt hatten sind wir dann mit neuem Fahrer und immernoch kaputter Automatik nach Villa Mar gefahren. Das ist irgendwo nahe der Grenze, wirklich irgendwo. Im Endeffekt war die Fahrt echt geradeaus dann über 2 Flüsse, dann kurzer Stop und unsere Fahrer steigt wortlos aus, ist ja Boliviano, umarmt irgendwo einen und weiter geht's.

Nächster Morgen eigentlich gleich, nur dass wir um 5 losmussten um die Grenze zu erreichen und zwischendurch noch das Gepäck vom Jeep vor uns eingesammelt haben. Achja und wir sind das erste Mal so früh los gekommen das wir den Sonnenaufgang gesehen haben ;-). Ich hab mich dabei so n bisschen wie n Schmuggler gefühlt, also die Piste war halt einfach irgendwo im Nirgendwo und kämpfte sich beständig auf die Grenze die Berge hinauf.




In Chile angekommen wurde erstmal das Gepäck gescannt, könnten ja Früchte drin sein, und in San Pedro haben wir dann einfach nur nichts gemacht. Bzw die Mädels haben ne Dusche gesucht und ich meinem Nachbar im Internetcafe gelauscht der seinen Reisepass verloren hatte und mit den provisorischen nicht über die USA zurückreisen konnte, arme Sau.


Passieren also nicht nur mir die dämlichen Sachen ;-).