Mittwoch, 16. Oktober 2013

Teil 3: Santiago | Zona Zentral

Soo nun nach längerer Pause auch von mir wieder ein Lebenszeichen.

Ich bin, man sollte es kaum glauben, immernoch in Chile und war bisher auch nicht wieder auf größeren Reisen. Habe mir die Zeit die ich hatte eher in der Innenstadt vertrieben. Durch die schiere Größe von Santiago ist es auch nicht schwierig hier eigentlich jeden Tag etwas Neues zu finden.


Die letzten Tage über war ich relativ fleißig, hab an meiner Doktorarbeit geschrieben, an der Vorbereitung der chilenischen Daten herumgedoktert und war sogar ein paarmal im Familienzentrum um bei der Durchführung einer Studie hier zu helfen. Mit am meisten Zeit verbringe ich jedoch damit mein Spanisch etwas aufzubessern. Und ich glaube so langsam macht sich das bezahlt, ich bin nun schon bei mehr als den 10 Wörtern pro Minute die ich hier am Anfang rausgestammelt habe. Aber Gesprächen zu folgen ist immernoch ein bisschen schwierig, irgendwie sprechen die Chilenen so schnell das es eigentlich immer ein Wort pro Satz ist und danach zwangsweise "Cachai?", was soviel heißt wie "verstehste?" und ich damit weiß das jetzt n neuer Satz beginnt ;-). Überhaupt sind die Chilenen sehr kreativ wenn es darum geht neue Wörter zu erfinden, oder auch mal die Bedeutung "etwas" zu verändern. Gestern hab ich zum Beispiel mit jemand über eine Kupfermine bzw "Mina" gesprochen und erzählt ich würde die gern besuchen. Da fing er auf einmal an zu Grinsen und sagte mir er versteht zwar schon was ich meine aber Chilenen meinen mit "Mina" in aller Regel ihre Freundinnen. Aber ok hat in den Fall dann beides gepasst :-). Hab mir da jetzt ein kleines Büchlein zum drin Stöbern gekauft und jetzt versteh ich endlich die ganzen Beleidungen die mir die Penner hinterherrufen wenn ich Ihnen mal nicht n Peso geb, großartig! =)


In den letzten Tagen haben sich sonst auch noch n paar andere Sache ereignet. Gestern zum Beispiel hat sich Chile für die WM qualifiziert, ich hätte eigentlich nichtmal das Spiel anschauen müssen um das mitzubekommen. Wohn hier wohl am zentralen Platz um sowas zu feiern, das weiß ich zumindest seit Gestern, war auch schon etwas irritiert von den Wasserwerfern als ich Mittags im Park saß.


Dann war die Tage mal ein Lehrerprotest, da gingen die Meinungen meiner Kollegen weit auseinander. Fernando war der Meinung die wären eigentlich immer sehr spaßig, Marcia war eher der Meinung die würde immer die Innenstadt zerlegen. Ob sie jetzt das gleiche gemeint haben hab ich jedoch nicht nachgefragt =). War auf interessant, groß und was auffiel was das die mit den kommunistischen Bannern alle nur so ca. 16 waren. Achja wo sich alle übrigens einig waren, war das ich besser nicht mitdemonstrieren soll, außer ich würde doch schon gern gegen Ende der Woche nach Deutschland fliegen, das darf man nämlich mit dem Visum nicht. Und kleiner Funfact, die allgegenwärtigen Hunde hatte ich hier ja vielleicht schon erwähnt. Das diese ein bisschen blöd sind wahrscheinlich auch, rennen halt mal dem Radfahrer für ne Stunde hinterher aber als ich so den Marsch betrachtete haben neben mir 5 Hunde ein Taxi "angegriffen" das an der Ampel stand und tatsächlich die Reifen zerbissen. Wusste garnicht, dass das möglich ist. Großes Kino! =)




Genauso am Wochenende, da war der "Tag der Rasse". Klingt bisschen seltsam, ist hier in Chile zwar ein Feiertag, aber da wird eher protestiert als zelebriert. In Rest von Südamerika ist der "Dia de encuentro de dos mundos" wie er auch heißt, da an dem Tag Kolumbus Amerika "entdeckte", wohl Anlass zu großen Festivitäten. Hier protestieren eher die indigenen Stämme gegen die damals erfolgte "Zivilisierung". Habs aber nur aus der Ferne gesehen, an dem Tag hatte ich nämlich mit ein paar anderen die ich hier kennengelernt hatte beschlossen Cerro San Cristobal zu besteigen, den an Bellavista angrenzenden Stadtberg mit einem unüberschaubar großen Park und dazu noch der seltenen Gelegenheit hier mal über und nicht im Smog zu stehen. Die Fernsicht war durch den Smog jedoch etwas getrübt, kaum die Anden erkennbar und den Rand des Kessels in dem Santiago liegt konnte man im Dunst auch nur eher erahnen. Die Lage ist eigentlich so wie Stuttgart, blos mit 7 Millionen Leuten und die Luft ist so dreckig das man hier keinen Kamin haben darf. Auf dem Gipfel auf jeden Fall ist eine große Jungfrauenstatue mit Andachtsplatz, sehr schick auch wenn es durch die ganzen Leute in ihren Jogginganzügen n bisschen schräg aussah. Es hatte dort eh jeder einer Jogginganzug an, als wäre der einstündige Aufstieg ein Extremsport. Dann haben wir noch schnell einen Mote von Huesilllo geschlürft (ganzer Pfirsich in Fruchtsaft mit jede Menge Maiskörner) und die Aussicht genossen. Beim Abstieg haben wir uns dann vor lauter Begeisterung direkt verlaufen, aber wir hatten ja an dem Tag nichts vor :-).




Kannte die übrigens vom Intercambio in meiner Sprachschule, ist sozusagen mein Freitagabendprogramm an Spanischübungen mit anschließendem Barbecue. 1a! =) Laufen viele nette Leute rum aber auch ein paar richtige Spaten. Habe auch den unmotiviertesten Menschen der Welt getroffen dort, beeindruckend wie wenig der macht hier während seines Auslandsaufenthaltes. Noch weniger als ich! =)


War letzte Woche auch mal mit Jerome, der war auch mal kurz hier in Santiago, auf ner Stadtführung und wir ham uns das Ganze hier mal genauer angeschaut. Einen Funfact hab ich daras auf jeden Fall mitgenommen. Es gibt hier nämlich Kaffeehäuser, relativ spezielle Kaffeehäuser. Man dachte sich damals die Branche braucht einen Impuls also erfand man hier quasi das Hooters unter den Kaffeehäusern. Gibts hier überall und das auch noch in verschiedenen Abwandlungen, die klassischen sind ganz normal in der Füßgängerzone offen zur Straße hin, klassisches Stehcafe eben. Dann gibt es die Modernen, die finden sich eher in Malls, haben schwarze Scheiben und Beschallung und Licht entsprechen eher ner Disko, trotzdem übrigens nur Stehplätze und Cafe. Dann gibts noch die Modernen mit "Happy Minute", die kann der Manager nach Gutdünken beschließen und wenn Happy Minute ist wird die Türe abgeschlossen und die Bedienungen fangen an auf den Tischen zu tanzen, wie stark bekleidet kann ich allerdings nicht sagen. Auch hier wie gesagt nur Kaffee. Cafe con Piernas ist übrigens hier nichts verpöhntes oder so, sondern n ganz klassischer Ort um in der Mittagspause n Kaffee trinken zu gehen, machen ja auch Abends um 6 wieder zu. Verrückte Welt also! Achja das Theater das ihr auf den Bildern seht hat ne interessante Preispolitik. Da sie wollen, dass alle Bürger kommen orientieren sie sich immer an Preisen der Fußballspiele ;-). Und die Leute die am Fluß campen? Mapuche aus dem Süden die zur Registrierung für die Wahl nach Santiago kamen und für die Unabhängigkeit ihrer Provinz protestieren.




Sonst war ich noch auf einer nächtlichen Führung mit ein paar Chilenen auf dem zentralen Friedhof und dem angrenzenden ehemaligen Seuchenkrankenhaus für die Cholerapatienten. Schon praktisch wenn ein Ausgang des Krankenhauses direkt in den Friedhof führt, allerdings etwas entmutigend. Unsere Route ware dann auch die "Pestroute" und man kam in der Reihenfolge wie der Cholerakranke von Station zu Station und schließlich in den Friedhof. Leider kaum Bilder davon aber ich muss da eh nochmal hin. Meine Fresse war das ein abgefahrener Friedhof, war ja auch quasi nur für die Reichen. Die Armen wurden irgendwo verscharrt. Auf jedenfall gibt es hier einen deutlichen Hang zur Selbstdarstellung im Tode. Also so mit nem einfachen Grabstein ist es hier nicht getan, ne Kapelle ist vielleicht das Mittelmaß und wer was auf sich hält der baut einfach Notre Dame in klein nach. Kein Scherz! Sieht so n bisschen aus wie ein geschrumpftes Villenviertel dort, nur ohne Garten irgendwo müssen die Leute ja hin ;-). Davon stell ich hier auf jeden Fall noch was rein. Ist auch sonst ein netter Friedhof, am Wochenende immer Ausflugsziel, an der Cafeteria?? am Eingang verkaufen sie auch Bier und wenn ein bekannter Fußballer stirbt kommt es hier wohl regelmäßig zu Schlägerein sich befehdender Fanclubs :-D.


Achja ich wäre vor 2 Wochen mit Marcela bei ihren Eltern und Schwester mit Ehemann in Curico. Sehr nettes Städtchen dort, mit smogfreiem Blick auf die Anden übrigens, wenn auch etwas in Mitleidenschaft gezogen durch das letzte große Erdbeben. Man könnte es auch positiv ausdrücken und sagen der zentrale Platz hat jetzt etwas Luft zum atmen^^. Auch hier übrigens mit zentralem Stadtberg und todessehnsüchtigen Downhillridern. Sehr lustig anzusehen, natürlich auch mit der obligatorischen Masse an Paaren die irgendwo rum, auf oder nebeneinander liegen. Man merkt das viele bei Ihren Eltern wohnen! =) Joa war dann mit Marcelas Schwester, dem Mann und ihrem kleinen Kind bisschen auf Stadttour, sehr lustige Gesellschaft. Er hatte übrigens auch ne zeitlang in Deutschland studiert. Mir kam es gleich ein bisschen komisch vor das so Mittags um 4 typische Ausgehmusik im Radio kam, als dann auf einmal Peter Fox aufgelegt wurde war ich stark verwirrt und als danach dann NJOY als Radiosender angesagt wurde hatte ichs kapiert^^. Gab übrigens gegen später noch einen Kuchen de Nuesz. Blos die Betonung ham se nicht so raus^^. Ist übrigens äußert kalorienarm :D, achja was mir auch aufgefallen ist, wenn man hier n Bier bestellen will bestellt man einfach n "Schoppen" oder "Schopp", schräge Sache! =)



So muss noch kurz Starbucks hier danken da ich eigentlich wenn ich Internet brauche immer hier bin^^.


Und für Freitag sieht der Plan vor sich in den Norden zu begeben, weiter als letztes Mal und für eine knappe Woche und vielleicht auch ein bisschen von Bolivien zu sehen.


Jo soweit von mir mal wieder!

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen