Nachdem ich den ersten Bus Freitag nicht bekommen habe nun eben mit dem am Samstag. War schon ne lustige Fahrt, man schläft in der Wüste ein und wacht im Wald wieder auf. Und Pucon ist ja wirklich so ein kleines Dörfchen, kleiner als Bönnigheim würde ich sagen. Bin da ja in alles Frühe angekommen und erstmal zum See gepilgert. Zu diesem schönen, ruhigen See an dessen Ufer mein Hostal liegen sollte. Bewaldete Hügel, schwarzer Sand, ein paar Segelboote, ein gesunkenes Segelboot und über allem dieser unrealistisch weiße Vulkan Villarica. Wenn man es malen wollte, man würde es so malen. So saß ich dann da also und hab mir den Sonnenaufgang auf den Vulkanflanken angeschaut und gewartet bis die Stadt und das Hostal zum Leben erwachen.
Hab eigentlich
nicht viel gemacht am ersten Morgen, mich n bisschen mit den anderen Leuten im
Hostal unterhalten, die beiden kennengelernt die dort Arbeiten, lustige Vögel,
und mich mal hingesetzt und meine Reiseplanung gründlich überdacht. Ich hab se
ein bisschen realitätstreuer gemacht könnte man sagen ;-). Am Nachmittag dann
zur Erholung ein bisschen Hydrospeed gemacht =D. Im Endeffekt auf nem Bodyboard
sich in Stromschnellen schmeißen, sehr spaßig :D. Problem war nur ich hatte zu
große Flossen und deswegn war das manövrieren in den Stromschnell doch etwas
anstrengend. Aber sehr lustig, auch wenn wir wahrscheinlich wie ne große
Entenfamilie auf Sonntagsausflug aussahen =). Das lustigste an der Sache war
aber als neben uns ein Raft gekentert ist, dass war wirklich spaßig :D, ist
natürlich nichts passiert.
Den Rest des Tages hab ich im wesentlich Spätzle gegessen =D und mit 2 Deutschen vor dem Hostal
gesessen und Wein getrunken. Minimaler deutscher Einfluss hier ;-).
Mit denen mir also vieeeel zu lang die Nacht um die Ohren
geschlagen, ich wollte ja immerhin am nächsten Morgen auf den Vulkan Villarica
steigen.
Das heißt ich wollte nicht nur ich habs auch gemacht. Aber als ich morgens
aufgewacht bin hab ich daran noch nicht geglaubt :D.
War auf jeden Fall
abgefahren, die Jahreszeit war perfekt. Schon warm aber noch schneebedeckt der
Vulkan. Um genau zu sein so warm, dass wir nur auf m Gipfel mehr als n T-Shirt
anhatte. Bin mit ner größeren Gruppe aufgestiegen, unter anderem auch Gilles
und seine Freundin. 2 Engländer/Australier die mir in den nächsten Tagen noch
mehrmals verkommen sollten :D.
Ich wurde also in
meinem Hostal abgeholt und erstmal zum Treffpunkt gekarrt. Dort großes Hallo,
Versammlung aller die mitgehn aus aller Herren Länder und jeder hat nen
Rucksack mit Material bekommen. Unter anderem Steigeisen, Helme und teilweise
mysteriöse Kleidung, schwere Plastikschürzen nämlich deren Sinn sich mir erst
später eröffnete. Wir waren also gut ausgerüstet, nur noch schnell n paar
eigene Sachen dazu reingestopft in den Bus gesprungen und los gings. Jeder
hatte übrigens gleich viel Gepäck egal wie groß oder klein, das sollte manch
einer zum Verhängnis werden. Es gibt ihn also doch den unsportlichen
Südamerikareisenden, ich dachte schon ich wäre der einzige Lasche zwischen all
den von hunderte Kilometer Trekking Gestählten ;-).
Wir näherten uns
also dem Vulkan auf staubigen Pisten. In den Ausläufern wenn man über die
Baumgrenze kommt sehr staubig da, ist im Winter nämlich auch Skigebiet die
Flanke über die wir aufgestiegen sind und das merkt man dann eben so im Sommer
:-/. Das erste, steinige Stück des Weges konnte man je nach Selbsteinschätzung
und Motivation im Lift zurücklegen. Bzw. man hätte es können wenn er an gewesen
wäre, anscheinend hatte der Liftboy aber an dem Tag keine Lust zu arbeiten, war
nämlich keiner da :D.
Also rauf die staubige Geröllhalde zu den ersehnten
weißen Hängen. Meter um Meter den man höher kam wurde das Panorama um Pucon
besser begreiflich. Im Hintergrund weiße Andengipfel, um Pucon grüne Hügel
zwischen denen riesige Seen lagen und in den Tälern am Fuße des Vulkans
schwarze, erstarrte Magmaströme.
Kitschig eben ;-). Achja da es sich ja um
einen gletscherbedeckten Vulkan handelt sind Ausbrüche immer mit Lawinen aus
Eis, Schnee, Magma und Schlamm verbunden. Ideal um alles platt zu machen was so
um den Vulkan herum kreucht und fleucht. Zum Beispiel das Dorf auf der
Rückseite, das gibts nämlich nichtmehr. So n bisschen wie Pompei, nur ausgraben
wollten sie es wohl nicht wieder ;-).
Nun gut Meter um
Meter kamen wir dem Ziel näher, auf den Eispickel gestützt, quälend langsam gingen die Schritte, das Atmen
brannte in den Lungen. Ne Quatsch war echt easy, hat ja blos 3000m, das
Schwierigste war sich nach dem Pausen vom Panorama loszureißen und wieder
loszulaufen.
Unsere Gruppe hatte sich merklich ausgedünnt zu diesem Punkte, es
ist nämlich so das alles Gruppen bis zu einer bestimmten Uhrzeit den Gipfel
erreicht haben müssen. Bei wem das unwahrscheinlich wird der muss irgendwann
umdrehen.
War bei uns ja
aber nicht so! Hier mal ein paar Impressionen so zwischendurch.
Am Gipfel
angekommen ohne Zwischenfälle konnten wir uns dann im Schwefeldunst so richtig
wohlfühlen. Aktiver Vulkan heißt eben aktiver Vulkan. So richtig mit Caldera
eben, leider so tief, dass man das Magma nicht sehen konnte. Manchmal wenn er
aktiver ist soll wohl aber ein Rotschein des Nachts über dem Gipfel glühen.
Schon schön, wenn man nicht da wohnt :P.
So haben wir dann
da oben also n bisschen Zeit vertrödelt, unser Guide hatte Mate dabei, ich
hatte mir ein Bierchen mitgenommen, Crater hieß es, fand das passend. Der
andere Guide, beide waren mit Snowblades bewehrt das war mir schon den ganzen
Aufstieg über schleierhaft, hat dann noch schnell ne kleine Abfahrt auf der
Gletscherzunge gemacht und als er zurückkam gings auch schonwieder in Richtung
Tal.
Nicht laufend
allerdings, das wäre ja langweilig. Außerdem würde das ja ewig dauern ;-). Nein! Wir hatten ja Plastikrutscher dabei! Nachdem jeder seine wasserfesten Schürzen
angezogen hatte, dafür waren die nämlich gedacht, haben wir uns dann in in den
Schnee vorgefräste Kanäle gestürzt und sind darin den Vulkan runter gerast. Hin
und wieder von kreischenden Japanern ausgebremst aber doch so im Mittel zügig
bis geisteskrank. Aber wir hatten ja das Steigeisen zum Bremsen, blos wehe dem
der sich das Teil bei ner Bodenwelle zwischen die Beine verheddert :D. Achja
auch das aus der Bahn springen bzw. gesprungen werden ist nicht zu empfehlen,
auch oder vielleicht weil es dort vieeeeel schneller abwärts geht. ;-)
Bilanz 3h Aufstieg und staubig, 20m Abstieg und von oben bis unten eingeschlämmt. Aber
Spaß gehabt! Achja schnellste Abfahrt von Gipfel bis Sohle mit Ski, immerhin
knapp 2000 Höhenmeter, 3min! Waren also schneckengleich unterwegs auf unseren
Rutschern =).
Angekommen in Pucon gabs dann erstmal schön FanSchopp, klingt irgendwie lustiger als Alster =).
Für den Abend war dann dort noch n kleines Barbecue angesagt, viele Schweizer dort, unter anderem auch Simone mit der ich am nächsten Tag wandern gehen sollte. Dazu gleich mehr!
2erlei Stand uns am nächsten
Morgen zu Auswahl. Entweder der in meinem Hostal viel angepriesene Aussichtspunkt
El Cani oder der versteckt liegende Wasserfall El Claro. Schwierig! El Cani war
für mich am Anfang verlockender, auch wenn über die Schwierigkeit des Aufstiegs
Unklarheit herrschte. Man erging sich in Vergleichen bis "Anstrengender
als der Vulkan!", das einzig offensichtliche war, dass alle Schweizer den
Aufstieg als leicht einschätzten. Aber Schweizer Einschätzungen... für so fit
hielt ich mich dann körperlich doch nicht. Da aber auch das Knie von Simone wohl
etwas kaputt war kam ich erst gar nicht in die unangenehme Lage mir Vorwürfe
über meine Fitness zu machen sondern wir machten uns auf den Weg zum
Wasserfall. Mittels einer putzigen Karte die wir vom Hostal bekommen hatten.
Wer die sieht dem ist klar warum wir uns verlaufen sollten. Bzw. eigentlich ist
wenn man die sieht unklar wie man überhaupt den Wasserfall finden soll ;-). So
schön von Hand gezeichnet und nur vermeintlich logische Wegpunkte
hervorgehoben. Nicht ganz einfach zu lesen also, eine wirkliche Schatzkarte
eben =).
Unser
Weg führte uns durch Wälder und Hügel hinauf, wieder hinunter, an grasenden
Kühen vorbei.
Der Vergleich mit der Alb drängte sich auf, nur teilweise waren die Tierarten "inkompatibel" ;-).
Und weiter zwischen
Heu machenden Bauern immer weiter und weiter den Berg hinauf, dem leiser
werdenden Rauschen folgend. Leiser werdend? Korrekt! Wir hatten uns ja wie
gesagt verlaufen, deswegen war da auf dem Buckel auch nix als ner schönen
Aussicht. Es hätte uns gleich stutzig machen sollen als uns n paar Leute die
uns entgegen kamen sagten "Noch 20min!" und wir nach 2h immer noch
nicht dort waren. Schön wars da oben auf jeden Fall. Knorkige Bäume, unberührte
Wiesen, uralte hölzerne Zäune, dazwischen hin und wieder windschief gezimmerte
Holzhütten. Wir entschlossen uns trotzdem wieder abzusteigen und den Wasserfall
zu suchen =). Haben ihn auch gefunden, stellte sich heraus das wir so ca. 500m
vor ihm falsch abgebogen sind. Bitter! Aber egal.
Und
ja eindrucksvoll war er! 85m in einer grün schimmernde im Halbschatten liegende
Schlucht stürzend. Rechts und links ragten die Wand steil auf, dicht
zugewuchert.
Durch
die enorme Höhe hat der dann auch richtig Wind erzeugt man herunter krachen,
ich mein das Wasser war kalt aber das Lüftchen dort hat dir den Atem genommen.
Aber ich dachte wenn ich schon mal da bin muss ich eine Runde da schwimmen.
Nett, weckt die Lebensgeister. Sowas von.
Dann
wieder zurück nach Pucon! Von soviel Natur begeistert beschloss ich direkt
weiterzufahren zu den Ojos de Caburga. Ich hatte absolut keine Ahnung was das
sein sollte, aber da fuhren ständig Busse hin, konnte als nicht ganz schlecht
sein. Insgeheim hoffte ich an einem dieser riesenhaften Seen zu landen, mit
weißen Sand und schwarzen Vulkanstränden. Da kam ich aber nicht hin, sondern zu
ein paar neuen Wasserfällen. Da ich wirklich spät dran war der Park eigentlich
leer. Und wirklich schön. Glasklares Wasser, darin alte Baumstämme liegend.
Schaut euch einfach das Bild der blauen Lagune an und stellt euch das Licht der
untergehenden Sonne in Bewegung vor! Dann die eigentlichen Ojos waren 3
Wasserfälle die sich in ein Bassin ergossen aus dem sich ein reißender Fluss
formte. Sehr schön im Licht der untergehenden Sonne, alles richtig gemacht! =)
Achja Mitch war da drin Baden. Ungewöhnlich starke Strömung hat er gesagt. Er
hat wohl nicht das Schild gesehen, das ich gesehen habe. Darauf stand so in
etwa: "Baden verboten. Es besteht der Verdacht das sich beim letzten
Erdbeben ein unterirdisches Höhlensystem eröffnet hat das einen neuen Abfluss
bildet." Auf gut deutsch wennde Pech hast saugts dich da rein. Naja ist ja
nix passiert ;-).
Ich
kam also völlig geflasht aus dem Park und stellte mich an die Bushalte, und
wartete, und wartete. Traue niemals südamerikanischen Informationen über den
letzten Bus nach Fahrplan! Das dachte ich mir zumindest als der Busfahrer mit
abwinkender Bewegung an mir vorbeifuhr. Aber ich war ja nah an Pucon, maximal
20km...
Aber
wieder mal ne neue Erfahrung. Da ich auf Grund meines Glücks mit den Bussen
noch nie darauf angewiesen war zu trampen sollte dies das erste Mal werden.
Sagenhafte 5min musste ich warten und dann gings auch schon los. Easy Sache das
=).
Wieder
in Pucon ging im mit Mitch und Andrea was kleines Vespern bei "Mamas and
Tapas", klasse Name =), und dann gings auch schon ans Vorbereiten für die
Fahrt nach Bariloche an nächsten Tag. Doch dazu mehr im nächsten Blogeintrag.































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