Sonntag, 5. Januar 2014

Teil 10: Sur Chico

Station 1, Pucon. Es geht wieder los.

Nachdem ich den ersten Bus Freitag nicht bekommen habe nun eben mit dem am Samstag. War schon ne lustige Fahrt, man schläft in der Wüste ein und wacht im Wald wieder auf. Und Pucon ist ja wirklich so ein kleines Dörfchen, kleiner als Bönnigheim würde ich sagen. Bin da ja in alles Frühe angekommen und erstmal zum See gepilgert. Zu diesem schönen, ruhigen See an dessen Ufer mein Hostal liegen sollte. Bewaldete Hügel, schwarzer Sand, ein paar Segelboote, ein gesunkenes Segelboot und über allem dieser unrealistisch weiße Vulkan Villarica. Wenn man es malen wollte, man würde es so malen. So saß ich dann da also und hab mir den Sonnenaufgang auf den Vulkanflanken angeschaut und gewartet bis die Stadt und das Hostal zum Leben erwachen.


Hab eigentlich nicht viel gemacht am ersten Morgen, mich n bisschen mit den anderen Leuten im Hostal unterhalten, die beiden kennengelernt die dort Arbeiten, lustige Vögel, und mich mal hingesetzt und meine Reiseplanung gründlich überdacht. Ich hab se ein bisschen realitätstreuer gemacht könnte man sagen ;-). Am Nachmittag dann zur Erholung ein bisschen Hydrospeed gemacht =D. Im Endeffekt auf nem Bodyboard sich in Stromschnellen schmeißen, sehr spaßig :D. Problem war nur ich hatte zu große Flossen und deswegn war das manövrieren in den Stromschnell doch etwas anstrengend. Aber sehr lustig, auch wenn wir wahrscheinlich wie ne große Entenfamilie auf Sonntagsausflug aussahen =). Das lustigste an der Sache war aber als neben uns ein Raft gekentert ist, dass war wirklich spaßig :D, ist natürlich nichts passiert.


Den Rest des Tages hab ich im wesentlich Spätzle gegessen =D und mit 2 Deutschen vor dem Hostal gesessen und Wein getrunken. Minimaler deutscher Einfluss hier ;-).



Mit denen mir also vieeeel zu lang die Nacht um die Ohren geschlagen, ich wollte ja immerhin am nächsten Morgen auf den Vulkan Villarica steigen. 


Das heißt ich wollte nicht nur ich habs auch gemacht. Aber als ich morgens aufgewacht bin hab ich daran noch nicht geglaubt :D.
War auf jeden Fall abgefahren, die Jahreszeit war perfekt. Schon warm aber noch schneebedeckt der Vulkan. Um genau zu sein so warm, dass wir nur auf m Gipfel mehr als n T-Shirt anhatte. Bin mit ner größeren Gruppe aufgestiegen, unter anderem auch Gilles und seine Freundin. 2 Engländer/Australier die mir in den nächsten Tagen noch mehrmals verkommen sollten :D. 
Ich wurde also in meinem Hostal abgeholt und erstmal zum Treffpunkt gekarrt. Dort großes Hallo, Versammlung aller die mitgehn aus aller Herren Länder und jeder hat nen Rucksack mit Material bekommen. Unter anderem Steigeisen, Helme und teilweise mysteriöse Kleidung, schwere Plastikschürzen nämlich deren Sinn sich mir erst später eröffnete. Wir waren also gut ausgerüstet, nur noch schnell n paar eigene Sachen dazu reingestopft in den Bus gesprungen und los gings. Jeder hatte übrigens gleich viel Gepäck egal wie groß oder klein, das sollte manch einer zum Verhängnis werden. Es gibt ihn also doch den unsportlichen Südamerikareisenden, ich dachte schon ich wäre der einzige Lasche zwischen all den von hunderte Kilometer Trekking Gestählten ;-).
Wir näherten uns also dem Vulkan auf staubigen Pisten. In den Ausläufern wenn man über die Baumgrenze kommt sehr staubig da, ist im Winter nämlich auch Skigebiet die Flanke über die wir aufgestiegen sind und das merkt man dann eben so im Sommer :-/. Das erste, steinige Stück des Weges konnte man je nach Selbsteinschätzung und Motivation im Lift zurücklegen. Bzw. man hätte es können wenn er an gewesen wäre, anscheinend hatte der Liftboy aber an dem Tag keine Lust zu arbeiten, war nämlich keiner da :D. 


Also rauf die staubige Geröllhalde zu den ersehnten weißen Hängen. Meter um Meter den man höher kam wurde das Panorama um Pucon besser begreiflich. Im Hintergrund weiße Andengipfel, um Pucon grüne Hügel zwischen denen riesige Seen lagen und in den Tälern am Fuße des Vulkans schwarze, erstarrte Magmaströme.


Kitschig eben ;-). Achja da es sich ja um einen gletscherbedeckten Vulkan handelt sind Ausbrüche immer mit Lawinen aus Eis, Schnee, Magma und Schlamm verbunden. Ideal um alles platt zu machen was so um den Vulkan herum kreucht und fleucht. Zum Beispiel das Dorf auf der Rückseite, das gibts nämlich nichtmehr. So n bisschen wie Pompei, nur ausgraben wollten sie es wohl nicht wieder ;-).
Nun gut Meter um Meter kamen wir dem Ziel näher, auf den Eispickel gestützt, quälend langsam gingen die Schritte, das Atmen brannte in den Lungen. Ne Quatsch war echt easy, hat ja blos 3000m, das Schwierigste war sich nach dem Pausen vom Panorama loszureißen und wieder loszulaufen. 


Unsere Gruppe hatte sich merklich ausgedünnt zu diesem Punkte, es ist nämlich so das alles Gruppen bis zu einer bestimmten Uhrzeit den Gipfel erreicht haben müssen. Bei wem das unwahrscheinlich wird der muss irgendwann umdrehen.
War bei uns ja aber nicht so! Hier mal ein paar Impressionen so zwischendurch.
Am Gipfel angekommen ohne Zwischenfälle konnten wir uns dann im Schwefeldunst so richtig wohlfühlen. Aktiver Vulkan heißt eben aktiver Vulkan. So richtig mit Caldera eben, leider so tief, dass man das Magma nicht sehen konnte. Manchmal wenn er aktiver ist soll wohl aber ein Rotschein des Nachts über dem Gipfel glühen. Schon schön, wenn man nicht da wohnt :P.


So haben wir dann da oben also n bisschen Zeit vertrödelt, unser Guide hatte Mate dabei, ich hatte mir ein Bierchen mitgenommen, Crater hieß es, fand das passend. Der andere Guide, beide waren mit Snowblades bewehrt das war mir schon den ganzen Aufstieg über schleierhaft, hat dann noch schnell ne kleine Abfahrt auf der Gletscherzunge gemacht und als er zurückkam gings auch schonwieder in Richtung Tal.
Nicht laufend allerdings, das wäre ja langweilig. Außerdem würde das ja ewig dauern ;-). Nein! Wir hatten ja Plastikrutscher dabei! Nachdem jeder seine wasserfesten Schürzen angezogen hatte, dafür waren die nämlich gedacht, haben wir uns dann in in den Schnee vorgefräste Kanäle gestürzt und sind darin den Vulkan runter gerast. Hin und wieder von kreischenden Japanern ausgebremst aber doch so im Mittel zügig bis geisteskrank. Aber wir hatten ja das Steigeisen zum Bremsen, blos wehe dem der sich das Teil bei ner Bodenwelle zwischen die Beine verheddert :D. Achja auch das aus der Bahn springen bzw. gesprungen werden ist nicht zu empfehlen, auch oder vielleicht weil es dort vieeeeel schneller abwärts geht. ;-)
Bilanz 3h Aufstieg und staubig, 20m Abstieg und von oben bis unten eingeschlämmt. Aber Spaß gehabt! Achja schnellste Abfahrt von Gipfel bis Sohle mit Ski, immerhin knapp 2000 Höhenmeter, 3min! Waren also schneckengleich unterwegs auf unseren Rutschern =).

Angekommen in Pucon gabs dann erstmal schön FanSchopp, klingt irgendwie lustiger als Alster =).

Für den Abend war dann dort noch n kleines Barbecue angesagt, viele Schweizer dort, unter anderem auch Simone mit der ich am nächsten Tag wandern gehen sollte. Dazu gleich mehr!

2erlei Stand uns am nächsten Morgen zu Auswahl. Entweder der in meinem Hostal viel angepriesene Aussichtspunkt El Cani oder der versteckt liegende Wasserfall El Claro. Schwierig! El Cani war für mich am Anfang verlockender, auch wenn über die Schwierigkeit des Aufstiegs Unklarheit herrschte. Man erging sich in Vergleichen bis "Anstrengender als der Vulkan!", das einzig offensichtliche war, dass alle Schweizer den Aufstieg als leicht einschätzten. Aber Schweizer Einschätzungen... für so fit hielt ich mich dann körperlich doch nicht. Da aber auch das Knie von Simone wohl etwas kaputt war kam ich erst gar nicht in die unangenehme Lage mir Vorwürfe über meine Fitness zu machen sondern wir machten uns auf den Weg zum Wasserfall. Mittels einer putzigen Karte die wir vom Hostal bekommen hatten. Wer die sieht dem ist klar warum wir uns verlaufen sollten. Bzw. eigentlich ist wenn man die sieht unklar wie man überhaupt den Wasserfall finden soll ;-). So schön von Hand gezeichnet und nur vermeintlich logische Wegpunkte hervorgehoben. Nicht ganz einfach zu lesen also, eine wirkliche Schatzkarte eben =).
Unser Weg führte uns durch Wälder und Hügel hinauf, wieder hinunter, an grasenden Kühen vorbei. 
Der Vergleich mit der Alb drängte sich auf, nur teilweise waren die Tierarten "inkompatibel" ;-).


Und weiter zwischen Heu machenden Bauern immer weiter und weiter den Berg hinauf, dem leiser werdenden Rauschen folgend. Leiser werdend? Korrekt! Wir hatten uns ja wie gesagt verlaufen, deswegen war da auf dem Buckel auch nix als ner schönen Aussicht. Es hätte uns gleich stutzig machen sollen als uns n paar Leute die uns entgegen kamen sagten "Noch 20min!" und wir nach 2h immer noch nicht dort waren. Schön wars da oben auf jeden Fall. Knorkige Bäume, unberührte Wiesen, uralte hölzerne Zäune, dazwischen hin und wieder windschief gezimmerte Holzhütten. Wir entschlossen uns trotzdem wieder abzusteigen und den Wasserfall zu suchen =). Haben ihn auch gefunden, stellte sich heraus das wir so ca. 500m vor ihm falsch abgebogen sind. Bitter! Aber egal.
Und ja eindrucksvoll war er! 85m in einer grün schimmernde im Halbschatten liegende Schlucht stürzend. Rechts und links ragten die Wand steil auf, dicht zugewuchert.

Durch die enorme Höhe hat der dann auch richtig Wind erzeugt man herunter krachen, ich mein das Wasser war kalt aber das Lüftchen dort hat dir den Atem genommen. Aber ich dachte wenn ich schon mal da bin muss ich eine Runde da schwimmen. Nett, weckt die Lebensgeister. Sowas von.


Dann wieder zurück nach Pucon! Von soviel Natur begeistert beschloss ich direkt weiterzufahren zu den Ojos de Caburga. Ich hatte absolut keine Ahnung was das sein sollte, aber da fuhren ständig Busse hin, konnte als nicht ganz schlecht sein. Insgeheim hoffte ich an einem dieser riesenhaften Seen zu landen, mit weißen Sand und schwarzen Vulkanstränden. Da kam ich aber nicht hin, sondern zu ein paar neuen Wasserfällen. Da ich wirklich spät dran war der Park eigentlich leer. Und wirklich schön. Glasklares Wasser, darin alte Baumstämme liegend. Schaut euch einfach das Bild der blauen Lagune an und stellt euch das Licht der untergehenden Sonne in Bewegung vor! Dann die eigentlichen Ojos waren 3 Wasserfälle die sich in ein Bassin ergossen aus dem sich ein reißender Fluss formte. Sehr schön im Licht der untergehenden Sonne, alles richtig gemacht! =) 


Achja Mitch war da drin Baden. Ungewöhnlich starke Strömung hat er gesagt. Er hat wohl nicht das Schild gesehen, das ich gesehen habe. Darauf stand so in etwa: "Baden verboten. Es besteht der Verdacht das sich beim letzten Erdbeben ein unterirdisches Höhlensystem eröffnet hat das einen neuen Abfluss bildet." Auf gut deutsch wennde Pech hast saugts dich da rein. Naja ist ja nix passiert ;-).
Ich kam also völlig geflasht aus dem Park und stellte mich an die Bushalte, und wartete, und wartete. Traue niemals südamerikanischen Informationen über den letzten Bus nach Fahrplan! Das dachte ich mir zumindest als der Busfahrer mit abwinkender Bewegung an mir vorbeifuhr. Aber ich war ja nah an Pucon, maximal 20km...
Aber wieder mal ne neue Erfahrung. Da ich auf Grund meines Glücks mit den Bussen noch nie darauf angewiesen war zu trampen sollte dies das erste Mal werden. Sagenhafte 5min musste ich warten und dann gings auch schon los. Easy Sache das =). 
Wieder in Pucon ging im mit Mitch und Andrea was kleines Vespern bei "Mamas and Tapas", klasse Name =), und dann gings auch schon ans Vorbereiten für die Fahrt nach Bariloche an nächsten Tag. Doch dazu mehr im nächsten Blogeintrag. 

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